Hertha Savelsberg an der Orgel in der
St.-Marien-Kirche.
Hertha Savelsberg blieb sich treu
Messdiener trugen sie zur Orgel
Von Susanne Risius-Hartwig, Ems-Zeitung vom 21. August 2014
PAPENBURG. Als grundsatztreue, zuweilen sogar kompromisslose Frau – so erscheint Hertha Savelsberg in den Schilderungen ihrer Zeitgenossen. Ihre Standhaftigkeit gegenüber dem NS-Regime brachte der Pädagogin eine Strafversetzung ein, aber auch den Respekt vieler Mitbürger. Nach der Papenburgerin ist im Baugebiet neben der Splittingschule am Papenburger-Obenende eine Straße benannt.
Als Tochter des Direktors der „Elektro-Metallurgischen Gesellschaft“. Dr. Joseph Savelsberg und seiner Frau Fanny wurde Hertha am 8. November 1899 in der Villa Savelsberg am Betlehemkanal geboren. Wie Hermann-Josef Döbber in „Straßen erzählen“ ausführt, studierte Hertha nach dem Abitur Pädagogik und bekam die erste Anstellung. Nach Tätigkeiten in Meppen und Wachtum war sie bis 1965 an der Papenburger Splittingschule tätig. „Sie gab in diesen Jahren Hunderten von Kindern das schulische Rüstzeug mit auf den Weg des Lebens“, weiß Döbber. Weiter heißt es dort: „Schule sei für sie stets mehr gewesen als das sture „Durchpauken“ des Lehrstoffes, erinnerten sich später viele ihrer Pennäler. Auch nach dem Unterricht habe sie Zeit für die ihr anvertrauten Kinder aufgebracht, ihnen Nachhilfe erteilt und sie an die Musik herangeführt.“ „Wer den Musikunterricht nicht bezahlen konnte, wohl aber Talent besaß, der wurde eben ohne Entgelt von ihr gefördert“, berichtet Hermann-Josef Tangen in der Chronik „50 Jahre Sankt-Marienkirche – Hochmoor, Heide, Haus des Herrn“.
Ein anderes Kapitel im Leben der engagierten Lehrerin spricht Rektor a.D. Manfred Thesing in seinem geschichtlichen Abriss der Splittingschule an. Dort heißt es zum Jahr 1965: „Pensionierung der Lehrerin Hertha Savelsberg. Die Verstorbene war fast 35 Jahre an der Splittingschule tätig. Nach Kriegsende wurde sie in der Übergangsphase zum demokratischen Deutschland wegen ihres unerschrockenen Einsatzes in der NS-Zeit von der damaligen Militärregierung als Bürgervorsteherin eingesetzt. In dieser Funktion war sie auch zuständig für Entnazifizierungs-Maßnahmen.“
Wie war es dazu gekommen? In der Papenburger Chronik (Wolf-Dieter Mohrmann, Geschichte der Stadt Papenburg) wird die Pädagogin im Kapitel „Verweigerung und Widerstand“ erwähnt, weil sie keinen Hehl machte aus ihrer Abneigung gegen das NSRegime. In diesem Sinne betreute sie ab 1934 eine Mädchengruppe, die 1936 denunziert wurde als verbotener konfessioneller Jugendverband. „Tatsächlich gehörten die Lehrerin und ein Teil der Mädchen der marianischen Jungfrauenkongregation an“, schreibt Hermann-Josef Tangen in der Kirchenchronik. Dass sich das Kränzchen als eine bewusst handelnde Opposition verstanden habe, sei aber nicht nachweisbar gewesen. Dennoch sei Savelsberg so unter Druck gesetzt worden. dass sie erklärt habe, künftig auf die Zusammenkünfte zu verzichten.
Vehement soll sich die Katholikin gegen das Entfernen der Kruzifixe aus den Klassenräumen gewehrt haben. Und sie weigerte sich, dem NS-Lehrerverband beizutreten, trotz Haftandrohung, wie Manfred Thesing in seinem Nachruf für die Kollegin am 9. Juli 1996 in der Ems-Zeitung berichtet.
„Die mutige Lehrerin Hertha Savelsberg wurde aufgrund ihres dem Regime gegenüber schädigenden Verhaltens vom 23. August 1943 bis zum 31. August 1944 zur Volksschule in Rastdorf strafversetzt“, heißt es bei Döbber. Nach dem Krieg sei sie mit Angela Klasen und Charlotte Kück eine von drei Frauen gewesen, die von der britischen Militärregierung aufgrund ihrer politisch unbelasteten Vergangenheit und ihrer Qualifikation im 25-köpfigen Bürgervorsteherkollegium eingesetzt wurden. In dieser Funktion wurde sie in den 1. Spruchausschuss des Entnazifizierungs-Hauptausschusses berufen.
Bis ins hohe Alter, weit über ihre Pensionierung hin aus engagierte sich Savelsberg ehrenamtlich in der Kirchengemeinde St. Marien. Selbst ein Beinbruch konnte die pflichtbewusste alte Dame davon nicht abhalten, wie Hermann-Josef Tangen in der Kirchenchronik beschreibt: „Es war ein gewohntes Bild, wenn „Fräulein Savelsberg“ ‚ wie sie trotz ihres Alters ebenso respektvoll wie liebevoll genannt wurde, vor Beginn der Messe mit ihrer Notenmappe unter dem Arm geklemmt die Treppe zum Orgelboden erklomm.“ (…) Ihr Pflichtbewusstsein ging so weit, dass sie sich nicht einmal vertreten lassen wollte, als sie sich ein Bein brach. (…) Mit dem gesunden Bein könne sie die Pedale wohl betätigen, meinte die Organistin. „Und so wurden die Gläubigen in den folgenden Wochen Zeugen einer konzertierten Aktion. Gestandene Männer des Kirchenvorstandes und ältere, kräftige
Messdiener mussten sie nämlich auf einem Hocker sitzend die Wendeltreppe nach oben und nach dem Schlusslied wieder nach unten tragen. Um das Gleichgewicht zu halten, hatte die Organistin ihre Arme auf die Schultern der Träger zu legen und das lädierte Bein weit nach oben zu strecken“, schildert Tangen.
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